HUNDESCHULE SIRIUS

Tiergestützte Ergotherapie


Ich setze als Ergotherapeutin seit einigen Jahren unterstützend zur klassischen Therapie eigens dafür ausgebildete Therapiehunde ein.

Durch den Kontakt mit einem Hund kann ein Mensch neue Impulse erfahren. Dies bedeutet für den betroffenen Menschen oft eine immense Motivationssteigerung, um sich mehr mit der Umwelt und mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Dabei wirkt der Hund durch seinen Anblick, den Körperkontakt, der Kommunikation und der Interaktion fördernd auf den Menschen. Dieses Phänomen ist der Schlüssel für den Erfolg eines tiergestützten-therapeutischen Einsatzes.

Ein Therapiehund kann zur unterstützenden Förderung und Motivation bei Menschen jeden Alters in der herkömmlichen Ergotherapie eingesetzt werden.

Diese Hunde haben gelernt mit verschiedenen Beeinträchtigungen von Menschen umzugehen, sie führen auf Anweisung des Therapeuten bestimmte Hilfestellungen in der Therapie durch.


Fallbeispiel für den Einsatz eines Therapiehundes:

Sebastian ist 5 Jahre alt, als ich ihn kennenlernte. Sehr extrem in seinem Verhalten, entweder eingeschüchtert oder sehr provokativ in seiner Art. Entweder sehr leise oder sehr laut, entweder er kann etwas perfekt oder er macht es gar nicht. Kompromisse kennt er nicht.

Dazu kommen erhebliche Defizite in der Verarbeitung von Gleichgewichts-, Körperwahrnehmungs- und Hautreizen, sowie der Anpassung der Muskelanspannung.

Sebastian kann sich selbst nur sehr schlecht wahrnehmen und kann deswegen erst recht nicht andere Menschen oder Lebewesen gut einordnen. Er kann das Verhalten von anderen nicht einschätzen, und versucht, dies durch Kommandieren dieser Personen zu kompensieren bzw. durch aggressives Verhalten seinerseits Kontakte zu anderen abzublocken.

Die bisherige Kindheit von Sebastian war schon von sehr vielen Therapie- und Förderversuchen geprägt, er hat das allgemeine Vertrauen zu Personen verloren.

Von daher war für mich wichtig, erstmal eine vertrauensvolle Basis zwischen Sebastian und mir aufzubauen. Dazu habe ich die Therapiehündin "Joana" eingesetzt.

Sebastian hatte noch nie die Möglichkeit gehabt, mit einem Hund nähere Kontakte zu schließen. Anfangs versuchte er, durch sein ihm bereits bekanntes Kommandierverhalten Joana zu beeinflussen, sie ignorierte aber auch dieses Verhalten von Sebastian.

Die ersten zwei Stunden sahen in dem Sinn so aus, dass ich mit Joana spielte und dabei Sebastian weitgehend ignorierte. Er bekam mehrmals das Angebot, sich am Spiel zu beteiligen, dies lehnte er aber ab. Aber er beobachtete uns ganz intensiv und war davon ganz beeindruckt, dass er nicht mitmachen muss, wenn er dies nicht möchte.

Bereits während der dritten Stunde beobachtete ich, wie Sebastian von sich aus den Ball für Joana aufnahm und für sie weggeworfen hat. Joana nahm sofort dieses Spielangebot von Sebastian auf und forderte "penetrant" die Fortsetzung des Spieles.

Sie merkte sofort, dass Sebastian nicht in der Lage war, den Ball direkt von der Schnauze anzunehmen, so dass sie von sich aus den Ball vor seine Füße legte. Sebastian war von soviel Rücksichtsnahme des Hundes begeistert und konnte sich überwinden, den angesabberten Ball für Joana wieder wegzuwerfen. Eine enorme Leistung für ein Kind, welches solche taktilen Reize schlecht verarbeiten kann!

Das Ballspielen mit Joana ist immer noch ein wichtiges Einstiegsritual in die Ergotherapiestunde.

Der nächste Schritt für mich war, Sebastian beizubringen, wie er Joana dirigieren kann, dass sie versteht, was er von ihr möchte. Anfangs waren die Spiele so konzipiert, dass nur einfache Dinge von Sebastian und der Hündin verlangt wurden.

Mit der Zeit wurden die Spiele schwieriger und genau die Dinge miteingebaut, die seine Defizite in der Verarbeitung von Gleichgewichts-, Körperwahrnehmungs- und Hautreizen, positiv beeinflussen würden. Sebastian war aber eigentlich "nur" damit beschäftigt zu überlegen, wie er Joana das Spiel vermitteln kann. Er merkte gar nicht, dass er gerade die Dinge tut, die er sonst massiv ablehnte.

Der erste Schritt für eine weitere erfolgreiche Therapie ist gelegt, Sebastian hat Vertrauen zu dem Therapiehund und zu mir als Mensch und Ergotherapeutin aufgebaut. Auch wenn dies noch ein langer Weg sein wird!

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